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Klimawandel

Donnerstag, 18.11.2010

Kurznachrichten zum Klima

Starkes La Niña, erneut Ozonloch

Das Wetterphänomen La Niña hat sich zurückgemeldet. Dies bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik großflächig unter den langjährigen Durchschnittswerten liegen. Betroffen ist ein mehr als 5000 Kilometer langer Gürtel vor der Westküste Kolumbiens. La Niña ist ein Ausgleichsphänomen und tritt häufig etwa ein Jahr nach einem El Niño Ereignis, also einer Warmwasser-Phase auf. Solche Zyklen sind nicht neu und lassen sich geschichtlich weit zurückverfolgen.

Aktuelle Wassertemperaturabweichungen im tropischen Pazifik

Blaue Farbtöne kennzeichnen unterdurchschnittliche Wassertemperaturen. Bildquelle: http://www.osdpd.noaa.gov/ml/ocean/sst/contour.html

Sie wiederholen sich mit sehr variabler Intensität in der Regel alle zwei bis acht Jahre. Die Klimaforschung geht seit langem von einem Zusammenhang zwischen La Niña/El Niño und den Erdmitteltemperaturen aus. So herrscht eine weitgehende Einigkeit darüber, dass die sehr hohen Temperaturen des global gesehen wärmsten Jahres 1998 vom vorausgegangenen starken El Niño auf die Spitze getrieben worden waren.

Es ist somit keine Überraschung, dass die Erdmitteltemperatur nach den sehr hohen Werten in der ersten Jahreshälfte 2010 derzeit einknickt. Wie lange der Effekt anhalten wird, ist offen. Viele Experten gehen diesmal jedoch von einer besonders stark ausgeprägten und lang anhaltenden Kaltwasser-Anomalie aus.

Das Ozonloch über der Antarktis ist in diesem Herbst durchschnittlich ausgefallen. Seine maximale Ausdehnung lag am 25. September bei rund 22 Millionen Quadratkilometer. 2008 war das Ozonloch noch 27 Millionen Quadratkilometer, 2007 25 Millionen Quadratkilometer groß gewesen. Die natürliche Ozonschicht des Planeten stellt einen Schutz des Lebens vor ultravioletter Strahlung der Sonne dar. Das Ozon bewirkt, dass harte Strahlung bereits in der unteren Stratosphäre daran gehindert wird, weiter ungehindert zur Erdoberfläche vorzudringen.

Die Ausdehnung des Ozonlochs

2010 (rote Kurve) wurden etwa durchschnittliche Werte erreicht, die Ausdünnung der Ozonschicht über der Antarktis hielt jedoch etwas länger an als in Vorjahren. Bildquelle:Nasa

Mit einer Ausdünnung des natürlichen Ozons in 10 bis 30 Kilometer Höhe werden zum Beispiel erhöhte Hautkrebs-Raten in Verbindung gebracht. Als Mitte der 80er Jahre das Vorhandensein eines großen Ozonlochs über der Antarktis entdeckt wurde, konnten in der Folge rasch chemische Verbindungen als Hauptverursacher dafür ausgemacht werden. Hierzu zählen primär die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Mittlerweile geht man davon aus, dass neben den Fluorchlorkohlenwasserstoffen in hohem Maße auch Lachgas zur Ausdünnung der Ozonschicht beiträgt.

Die Vereisung der Ostsee hat begonnen. In ihrem nördlichsten Teil ist infolge kalten Wetters an der Küste Nordschwedens bereits Mitte November 5 bis 10 Zentimeter dickes Festeis entstanden. Dies ist früher als in den vergangenen Jahren, jedoch zunächst einmal nicht weiter ungewöhnlich. Bereits im Spätwinter 2009/2010 waren erstmals seit vielen Jahren in der nördlichen und östlichen Ostsee sämtliche verfügbaren Eisbrecher im Dauereinsatz gewesen. Auch in den dänischen Gewässern trieb zeitweise so viel Eis wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Winter an der nördlichen Ostsee

Das Webcambild vom 18. November zeigt, dass die Vereisung eingesetzt hat. Bildquelle: panoramablick.com

Besonders bemerkenswert war die Lage im Kattegat und im nördlichen Skagerrak. Eiswinter sind in gewisser Weise längst überfällig. Nach Mitte der 1980er Jahre waren sehr viele Winter teils extrem mild und eisarm ausgefallen. Zyklen beim Ostseeeis scheinen nicht weiter ungewöhnlich zu sein. Auch in den 1930er Jahren hatte sich viele Jahre lang kaum Eis auf der Ostsee gebildet - um dann im folgenden Jahrzehnt rasch historische Höchststände zu erreichen.

An die UN-Klimakonferenz Ende November im mexikanischen Cancún haben Umwelt- und Entwicklungsorganisationen nur sehr gedämpfte Erwartungen. "Das große globale Abkommen wird es in den nächsten fünf Jahren nicht geben", erklärte der politische Direktor von Germanwatch. Dieser Ansatz sei mit dem Scheitern der Konferenz in Kopenhagen zerstört worden. Gleichwohl müsse es in Cancún wichtige Weichenstellungen im Kampf gegen den Klimawandel geben, betonten Sprecher von Germanwatch, WWF und Oxfam auf einer gemeinsamen Veranstaltung.

WWF-Klimaexpertin Günther kritisierte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP scharf das Vorgehen der Bundesregierung. Deutschland wirke zwar mit dem Ziel einer Emissionsminderung um 40 Prozent bis 2020 als Vorreiter, dies sei jedoch ungenügend durch Maßnahmen unterlegt. Der Regierung wird vorgehalten, für die in Kopenhagen als Soforthilfe bis 2012 zugesagten 1,26 Milliarden Euro kein frisches Geld mehr eingeplant zu haben. Die Umweltverbände fürchten, ein daraus resultierendes Glaubwürdigkeitsproblem könne zum Knackpunkt in Cancún werden.

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