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Klimawandel

Dienstag, 20.10.2015

Einfluss auf unser Wetter unklar

Verregnet El Niño den Winter?

El Niño sorgt vor allem rund um den Pazifik für Wetterchaos. Doch hat die Meeresströmung auch Einfluss auf unser Wetter im kommenden Winter? Ein paar mögliche Anhaltspunkte gibt es tatsächlich.

Die letzten beiden Winter waren für viele Skiliftbetreiber ohne Schneekanonen ein Desaster. Viele hoffen deswegen auf einen kalten, schneereichen Winter. El Niño könnte diese Hoffnung aber zunichtemachen. Bild: Bernd März

Während des Rekord-El-Niños 1997/98 gab es in weiten Teilen Europas einen sehr milden Winter. Grund dafür war eine ungewöhnliche Anomalie des Jetstreams, einem Starkwindband in großer Höhe. Dieser spaltete sich in zwei Ströme auf. Einer zog nördlich von Großbritannien bis nach Skandinavien, ein zweiter über das Mittelmeer hinweg. Die Höhenstürme dirigierten feuchte, milde Luft vom Atlantik und aus den Tropen nach Europa und verhinderten, dass die frostige Kälte Russlands nach Westen vordringen konnte.

Beim letzten starken El Niño 1997/98 sorgte eine ungewöhnliche Jetstream-Anomalie für einen milden Winter. Diese Anomalie taucht in den letzten Wochen erneut immer wieder in den Wetterkarten auf. Ob dies ein erster Hinweis auf einen milden Winter ist, bleibt abzuwarten.

Dieses Jetstream-Muster taucht auch in diesen Tagen immer wieder in den Wettermodellen auf: Ein Starkwindband über Großbritannien und Skandinavien, ein zweites über dem Mittelmeer und Nordafrika. Sollte sich das im kommenden Winter etablieren, haben Frost und Schnee schlechte Chancen im Flachland, da Tiefdruckgebiete mit milder Luft, Regen und Wind dominieren würden. Es gibt allerdings auch einige Signale für einen eher kalten Winter.

Auch wenn einige es gerne so hätten: Die frühesten Schneefälle seit Jahrzehnten und Kälterekorde im Oktober sind kein Indiz für einen kommenden strengen Winter. Bild: Torsten Brehme

Das Jahr war bislang von Hochdrucklagen geprägt, die uns einen heißen, trockenen Sommer brachten. Sollte hoher Luftdruck auch im Winter dominieren, sind zumindest sporadische Kälteeinbrüche wahrscheinlich. Außerdem ist die Aktivität der Sonne derzeit niedrig, statistisch gesehen gibt es bei niedriger Sonnenaktivität eher kalte Winter. Beim letzten Super-El-Niño 1997/98 war die Sonnenaktivität übrigens sehr hoch. Ebenfalls auffallend ist der ungewöhnlich kalte Nordatlantik, was die Tiefdrucktätigkeit im kommenden Winter hemmen könnte.

Der seit Monaten relativ kalte Nordatlantik heizt die Spekulationen über einen möglicherweise abgeschwächten Golfstrom an. Sollte das Meer in der Region auch in den Wintermonaten kalt bleiben, könnte dies die Wahrscheinlichkeit auf Winterwetter in Europa erhöhen. Sicher ist das aber nicht. Quelle: NOAA

Die Signale sind also durchaus widersprüchlich. Wie der Winter hierzulande letztlich wird, kann kein seriöser Meteorologe mit Sicherheit vorhersagen. Auch wir bei WetterOnline beteiligen uns nicht an den teils extremen "Prognosen" einiger selbst ernannter Wetterpropheten. Wie groß der Einfluss des starken El Niños bei uns sein wird, bleibt abzuwarten. Ein weiterer milder Winter wäre aber keine große Überraschung, denn auch die letzten beiden Winter haben vor allem durch teils extrem mildes Wetter ausgezeichnet.

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