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Klimawandel

Freitag, 12.07.2019

Klimaforscher verfeinern Analyse

Meeresspiegel: Neue Berechnungen

In der Klimadebatte spielt der Anstieg des Meeresspiegels eine große Rolle. Es gibt dramatische Prophezeiungen. Hamburger Wissenschaftler wollen mit einem neuen Analysemodell zu einer fundierteren Berechnung kommen.

Wie hoch steigt das Wasser? Für Milliarden von Menschen weltweit ist dies eine entscheidende Frage.

Der Hamburger Meereskundler Detlef Stammer hat zusammen mit einem internationalen Forschungsteam ein neues Konzept zur Berechnung des möglichen Meeresspiegelanstiegs erarbeitet. Erstmals werden dabei physikalische Prozesse beim Abschmelzen des Landeises in Grönland und der Antarktis berücksichtigt. "Mit dem neuen Konzept können wir viele Missverständnisse zum Thema, auch in der Fachliteratur, auflösen und zu tragfähigen Aussagen kommen", sagte der Direktor des Centrums für Erdsystemwissenschaften und Nachhaltigkeit.

Die Eisschmelze ist der entscheidende Faktor für den Anstieg. Regional könnten die Folgen aber sehr unterschiedlich ausfallen.

Den Forschern geht es darum, den maximal möglichen Anstieg des Meeresspiegels zu berechnen. Der Weltklimarat IPCC habe nur einen Mittelwert angenommen. Für die Planung in betroffenen Küstenregionen sei aber der maximal mögliche Wert viel wichtiger. Eine Zahl kann noch nicht genannt werden. Der maximal mögliche Wert kann jedoch über der Schätzung des IPCC liegen. Dieser hatte zuletzt einen wahrscheinlichen Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts um 52 bis 98 Zentimeter vorausgesagt.

Besonders küstennahe Regionen sind vom Anstieg des Meeresspiegels stark betroffen.

Der Wert hängt entscheidend von der Zeitskala ab. "In den nächsten 50 Jahren kann das Eis der Westantarktis nicht vollständig abschmelzen. Das funktioniert physikalisch in dieser Zeitspanne nicht", sagte der Professor. Aber in 100 Jahren wäre dies rein theoretisch möglich. Dieses Risiko muss in die Berechnung des maximalen Anstiegs einfließen.

Die Wechselwirkungen beim Abschmelzen sind kompliziert. Die große Eismasse hat eine Anziehungskraft auf das Wasser wie der Mond. Wenn es komplett abschmelzen würde, könnte der Meeresspiegel rund um Grönland auch um ein bis drei Meter fallen. Der kompensierende Effekt macht sich dann eher im tropischen Bereich bemerkbar. Auch der Meeresboden und die Küsten würden sich heben und senken, was wiederum Änderungen zur Folge hat.

(WO/dpa)

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