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Klimawandel

Dienstag, 15.10.2019

Mehr Schmelzwasser auf Grönland

Eisplatten verstärken Tauwetter

Ausgerechnet massive Eisplatten auf Grönlands Eiskappe beschleunigen die Schmelzprozesse des mächtigen Eisreservoirs. Wie Forscher berichten, hat sich der Eisverlust des Inlandeises in den letzten zehn Jahren vervierfacht.

Während der sommerlichen Schmelzperioden sammeln sich immer größere Schmelzwasserseen auf Grönlands Eisschild. Wo das Wasser nicht in porösem Firn versickern kann, fließt es oberflächennah Richtung Meer.

Grönlands Eismassen schmelzen immer schneller und leiten Jahr für Jahr größere Mengen an Schmelzwasser ins Meer. Wissenschaftler der University of Colorado haben jetzt einen Effekt entdeckt, der die Gletscherschmelze weiter beschleunigt: Riesige Eisplatten leiten große Mengen Schmelzwasser ins Meer, die sonst durch den porösen Firn versickern und in der Tiefe des Eisschilds wieder gefrieren würden. Der zusätzliche Anstieg der globalen Pegel könnte dadurch bis zum Jahr 2100 je nach Szenario der Erderwärmung bis zu sieben Zentimeter betragen.

Schmelzwasserfluten können auf Grönland regelrechte Fluss-Systeme und Canyons ins Eis des kilometerdicken Inland-Gletschers modellieren.

Ursache der erst jüngst entdeckten Eisplatten ist kurioserweise die Erwärmung der Arktis infolge des Klimawandels: Große sommerliche Schmelzwassermassen werden von oberflächennahen Firnschichten absorbiert und gefrieren im Winter zu massiven, wasserundurchlässigen Eisbarrieren. Diese Eisplatten können viele Meter dick werden und sich über Dutzende von Kilometern erstrecken. Sie verhindern im folgenden Sommer, dass neues Schmelzwasser in die Tiefe sickern kann, sodass dann einem immer größeren Teil des Wassers nur noch der Weg ins Meer bleibt.

Ein komplexes System aus Schmelzwasserflüssen und Seen entwässert den grönländischen Eisschild. Je weniger Wasser in porösem Firn versickern kann, desto mehr strömt über das Eis direkt ins Meer.

Dadurch kann sich der Effekt bei anhaltender Klimaerwärmung aus sich selbst heraus weiter verstärken und die sommerliche Gletscherschmelze beschleunigt sich immer mehr. Nur eine längere deutlich kältere Phase könnte diesem Prozess entgegenwirken, weil die Eisplatten dann genug Zeit hätten um wieder aufzubrechen. Dies würde durch natürliche Eisbewegungen und Temperaturschwankungen geschehen, die Spannungsrisse im Eis verursachen. Doch die alljährlich wiederkehrenden Schmelzwasserfluten kitten solche Risse, bevor die Eisplatten zerfallen können.

Dieses Foto hat im Frühsommer für Aufsehen gesorgt: Es zeigt Schmelzwasser, das sich im Norden Grönlands auf einem noch gefrorenen Fjord angesammelt hat. Bild: Steffen Olsen via twitter

Die gegenwärtigen Entwicklungen beim Klimawandel lassen daher auf absehbare Zeit nur wenig Hoffnung auf eine Entspannung, sodass die befürchtete weitere Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs durch mehr Schmelzwasser aus Grönland vorerst wohl unausweichlich sein dürfte.

Die Informationen dieses Beitrags basieren auf einer Veröffentlichung in dem Fachmagazin Nature, 2019; doi: 10.1038/s41586-019-1550-3).

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