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Klimawandel

Montag, 07.06.2010

Klimapolitik festgefahren

Kanada schert aus

Die internationale Klimapolitik steckt in einer tiefen Sackgasse. Teilnehmer der am Freitag in Bonn zu Ende gehenden UN-Klimaverhandlungen beschrieben die Stimmung als "sehr schlecht". Der scheidende UN-Klimachef Yvo de Boer äußerte sogar, die Staatengemeinschaft werde es in den nächsten Jahren nicht schaffen, sich auf starke Minderungen ihrer Treibhausgase bis 2020 zu verständigen.

In dieses Bild passt, dass die kanadische Regierung ihre Klimaziele drastisch heruntergeschraubt hat. In den neuen Zielvorgaben ist für 2010 nur noch eine Reduzierung der CO2-Emissionen um fünf Millionen Tonnen statt der bisher geplanten Senkung um 52 Millionen Tonnen vorgesehen. Auch die Pläne der konservativen Regierung von Premierminister Harper für die Jahre 2011 und 2012 sehen weitaus geringere Klimaziele als bislang vor.

Weltweite Temperaturabweichungen im April

Bildquelle: Deutscher Wetterdienst - Ironie des Schicksals? Gerade in Kanada, das sich jetzt wenig engagiert in Sachen Klimaschutz zeigt, wurden die größten positiven Temperaturabweichungen (rötliche Farben) ermittelt. Auch den Winter über war es dort über weite Strecken ungewöhnlich mild gewesen.

Statt einer Senkung der Treibhausgasemissionen von 64 und 74 Millionen Tonnen sind jetzt nur noch Einsparungen von acht und zehn Millionen Tonnen anvisiert. Das Kyoto-Protokoll zur Senkung der Treibhausgase sah für Kanada eine Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2012 um sechs Prozent gegenüber 1990 vor. Die Regierung argumentiert jetzt jedoch, dass Ziele, wie sie etwa die Europäer festlegen, für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in Kanada von großem Nachteil sind.

Insgesamt will Kanada nun eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 17 Prozent bis 2020 erreichen - gegenüber dem Stand von 2005. Damit passt sich das Land der Marschroute der USA an. Dass bei den neuen Klimavorgaben jedoch das Jahr 2005 als Vergleichsjahr herangezogen wird, führt nach Ansicht von Umweltschutzverbänden dazu, dass die Emissionen verglichen mit 1990 sogar ansteigen werden. Oppositionspolitiker klagen die Regierung an, Kanada werde zum "Umweltverbrecher".

Nun sei auch klar, warum die Regierung verhindern wolle, beim anstehenden G-20-Gipfeln in Toronto den Klimawandel zu thematisieren. Kanada steht offenbar nicht ganz allein mit dieser Haltung. Es erscheint möglich, dass hinter den Kulissen keine unbegrenzte Unterstützung mehr für die Arbeit des Weltklimarats (IPCC) besteht.

Aktuelle Abweichungen der Ozeantemperaturen vom Mittelwert

Bildquelle: NESDIS - Ein Blick auf den tropischen Pazifik zeigt, dass das El Ninjo-Ereignis vorüber ist. Dort dominiert jetzt unterdurchschnittlich temperiertes Oberflächenwasser. Besonders auffällig ist die Zone kalten Wassers zwischen Neufundland und den Azoren insofern, als dass dort bereits seit vielen Monaten negative Temperaturabweichungen überwiegen.

Dieser sieht im menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen den Hauptauslöser einer Erderwärmung und befürchtet drastische Folgen, falls keine zeitnahe und starke Reduktion der Treibhausgasemission erfolgt. Unterdessen häufen sich jedoch wissenschaftliche Arbeiten, welche der Variation von Treibhausgasen eine geringere Bedeutung für das Erdklima zuschreiben als das IPCC. Besonders die komplexen Einflüsse von Aerosolen, Wolken und Wasserdampf auf die Strahlungsbilanz des Planeten sind bislang noch nicht restlos verstanden.

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