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Klimawandel

Freitag, 14.07.2017

Beleg für den Klimawandel?

Riesiger Eisberg abgebrochen

In der Antarktis ist ein gewaltiger Eisberg von der doppelten Größe Luxemburgs abgebrochen. Viele Wissenschaftler sehen darin einen Beleg für den Klimawandel. Doch so einfach ist das nicht.

Die Satellitaufnahme vom 12. Juli 2017 zeigt deutlich den Riss im Larsen-C-Eisshelf. Der gewaltige Eisberg wird in den kommenden Monaten wegdriften, Larsen C wird damit um etwa zehn Prozent kleiner. Bild: NASA

Der Abbruch des riesigen Eismassivs am Larsen-C-Eisshelf vor der Küste der Antarktis war von Glaziologen seit Monaten erwartet worden. Schon vor einem Jahr wurden tiefe Risse im Eis festgestellt, die sich in den Monaten danach allmählich weiteten und immer länger wurden. Jetzt hat sich ein gut 6000 Quadratkilometer großer Eisberg gebildet, der in den kommenden Jahren langsam nach Nordwesten driften und dabei abschmelzen wird. Unmittelbare Gefahren drohen durch den kalten Koloss, der auf den Namen A68 getauft wurde, nicht.

So fing es an: ein Forschungsflugzeug der NASA entdeckte im November 2016 riesige Risse im Eis von Larsen-C. Die Entstehung des gewaltigen Eisbergs war also nur eine Frage der Zeit. Bild: NASA

Es ist schwierig, an A68 einen direkten Beleg für den fortschreitenden Klimawandel ausmachen zu wollen. Das Abbrechen von Eisbergen ist ein natürlicher Vorgang und hat nichts mit der globalen Erwärmung zu tun. Der Eisberg ist zwar der größte, der jemals beobachtet wurde, Anzahl und Größe der Eisberge werden jedoch erst seit einigen Jahrzehnten systematisch erfasst. Es ist also wahrscheinlich, dass in den vergangenen Jahrhunderten vergleichbare oder sogar noch größere Eismassen abgebrochen sind.

Eisberge vor der Küste Neufundlands im Frühjahr 2017. Eisberge hat es schon immer gegeben und haben an sich nichts mit dem Klimawandel zu tun. Das Auseinanderbrechen und Abschmelzen von jahrhundertealten Packeisgürteln deutet jedoch sehr wohl auf ein sich plötzlich veränderndes Klima hin.

Ganz abtun kann man den Zusammenhang mit dem Klimawandel jedoch auch nicht. Viele einst feste Packeisgürtel vor der Küste der Antarktis sind in den vergangenen Jahren zunehmend instabil geworden oder sogar zerbrochen. Glaziologen vermuten einen Zusammenhang mit den allmählich ansteigenden Meerestemperaturen, die das schwimmende Eis von unten her instabil machen. Dieser Zusammenhang hat auch das Eis im Nordpolarmeer massiv dezimiert. Es wäre also nur logisch, wenn das in der Antarktis rund um den Südpol auch passiert.

Eisminimum im Nordpolarmeer im September 2015. Das Nordpoleis ist in den letzten Jahren immer mehr abgeschmolzen. Forscher vermuten einen starken Zusammenhang mit dem immer wärmer werdenden Meerwasser, das die Eisdecke von unten her abschmilzt und instabil macht. Bild: NASA Earth Observatory

Ein direkter Meeresspiegelanstieg droht durch die abschmelzenden Eisberge aber nicht, da die weißen Kolosse ja schon schwimmen und so Meerwasser verdrängen. Sollte aber das antarktische Inlandeis auch nur zu einem kleinen Teil abschmelzen, droht ein massiver Anstieg der Meere. Ob und wie schnell das passiert, kann aber niemand mit Sicherheit vorhersagen. Grund zur Besorgnis besteht aber auf jeden Fall: Die Gletscher ziehen sich auf der ganzen Welt seit Jahren zurück und auch die riesige Eiskappe Grönlands hat längst zu tauen begonnen.

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