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Klimawandel

Mittwoch, 10.04.2013

Immer mehr kalte Winter?

Hochdrucklagen nehmen zu

Der letzte milde Winter (2007/08) ist mittlerweile fünf Jahre her. Seitdem lagen alle Winter durchweg im Normalbereich oder fielen kälter als im langjährigen Durchschnitt aus. Teilweise wochenlange Frostperioden mit Schnee und Eis waren von Ende November bis März nichts Ungewöhnliches, sondern eher die Regel. Sogar einige jahrzehntealte Kälterekorde wurden in den letzten Wintern unterboten. Zur Klimaerwärmung passt das alles auf den ersten Blick nicht wirklich, im Gegenteil. Dennoch vermuten Klimaforscher, dass es einen Zusammenhang gibt.

Kalte Winter waren in den vergangenen Jahren die Regel

In den letzten fünf Jahren waren die Wintermonate durchweg von Frostperioden mit viel Schnee und Eis geprägt. Es wurden sogar einige langjährige Kälte- und Schneerekorde gebrochen. Bildquelle: WetterOnline-Bilderforum

Kältere Winter bei uns trotz globaler Erwärmung? Der Schlüssel zu dieser widersprüchlichen These liegt möglicherweise in der Arktis. Dort taut die Polkappe immer weiter ab, im Spätsommer 2012 gab es sogar einen neuen Minusrekord beim Arktiseis. Die Eisschmelze hat Auswirkungen auf das Wetter in der gesamten Nordhemisphäre. Einige Studien sind schon vor Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik durch die Klimaerwärmung schwächer werden könnte. Mehr Hochdrucklagen vor allem im Winterhalbjahr wären die Folge.

Liegt der Schlüssel in der Arktis?

Jahr für Jahr zieht sich das arktische Eis im Sommer weiter zurück, riesige Wasserflächen werden dann eisfrei. Einige Studien haben schon vor Jahren die These aufgestellt, dass dieser Rückgang das Wetter auf der gesamten Nordhalbkugel beeinflussen könnte. Bildquelle: National Snow an Ice Data Center

Hochdruckgeprägte Wintermonate haben wiederum ein größeres Risiko für Kältewellen mit Dauerfrost. Wenn sich ein Hoch über Nordeuropa festsetzt, gelangt mit östlichen Winden sehr kalte Festlandsluft aus Russland zu uns. Aber auch sonst wird es bei Hochdruckwetterlagen im Winter oft kalt, da sich eine bodennahe Kaltluftschicht bildet. Während es auf den Bergen dann sonnig und mild sein kann, ist es in den Niederungen oft tagelang neblig mit Raureif und Frost.

Werden Hochdrucklagen im Winter häufiger?

Kräftige, blockierende Hochdruckgebiete können Mitteleuropa im Winter komplett von der milden Atlantikluft abkoppeln. Stattdessen fließt, wie hier im Februar 2012, dann eiskalte Luft aus Russland ein und lässt die Temperaturen weit in den Frostbereich absacken. Bildquelle: WetterOnline

Tatsächlich haben kalte Hochdrucklagen mit Hochnebelneigung und Frost in den letzten Wintern zugenommen. Turbulente Westwetterlagen und heftige Herbst- und Winterstürme wurden in den vergangenen Winterhalbjahren dagegen seltener. Der vergangene rekordtrübe, relativ kalte und trockene Winter passt da gut ins Bild, auch wenn dieses Einzelereignis allein noch kein Beleg für einen nachhaltigen Wandel ist. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass kalte Winter ab jetzt zur Normalität werden.

Der trüb-kalte Winter 2013 passt ins Bild

Der rekordtrübe, trockene und kalte Winter 2012/13 scheint die Theorie kälterer und trockener Winter in Europa zu untermauern. Dennoch: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" und genauso: Ein oder zwei kalte Winter machen noch kein geändertes Klima. Bildquelle: dpa

Ist die aktuelle Häufung von kalten und trockenen Wintermonaten nur eine vorübergehende natürliche Klimavariation? Oder sind hier die ersten deutlichen Anzeichen für großräumige Wetteränderungen zu sehen, hervorgerufen durch das beschleunigte Schmelzen des Nordpolareises? Diese Fragen können noch nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die aktuelle Diskussion um dieses Thema zeigt jedoch, dass viele Faktoren beim Klima immer noch erforscht werden müssen und in den bisherigen Klimamodellen teilweise nur unzureichend berücksichtigt worden sind.

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