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Unwetter im Rückblick

Mittwoch, 26.08.2020

Sturm fegt über Deutschland

Zugausfälle und Schäden

Das Sturmtief KIRSTEN hat in einigen Regionen Deutschlands Schäden verursacht. Umgestürzte Bäume behinderten den Berufsverkehr. Auch der Zugverkehr war zeitweise eingeschränkt. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Bereits am Vormittag richtete das Sturmtief einige Schäden in der Westhälfte an, wie das Video zeigt.

In Nordrhein-Westfalen sorgten umgestürzte Bäume bereits am Morgen für Bahnstreckensperrungen bei Köln, Ennepetal und Dortmund. Bei Dortmund-Aplerbeck ließ die Deutsche Bahn einen Nahverkehrszug evakuieren. Rund 100 Reisende mussten den Regionalexpress verlassen, weil er wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes nicht weiterfahren konnte. Im niederrheinischen Hünxe in NRW erlitt eine Autofahrerin leichte Verletzungen, als ihr ein Baum auf die Motorhaube fiel. In Kleve wurde ein Motorradfahrer durch einen herabfallenden Ast verletzt.

Auf der Autobahn A 44 schränkte aufgewirbelter Staub die Sicht stark ein. Zudem kippte ein Lastwagen auf der Autobahn um, die Strecke in Richtung Aachen wurde deshalb gesperrt. In Krefeld musste die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen ausrücken, da dort ebenfalls Bäume umknickten. Wegen der erhöhten Gefahr durch umstürzende Bäume blieben unter anderem der Zoo in Wuppertal und Wildparks in Köln und Düsseldorf aus Sicherheitsgründen zu.

In Neuss führte eine abgerissene Starkstrom-Freileitung zu einem Dachstuhlbrand. In Grevenbroich musste die Feuerwehr lose Teile einer Photovoltaikanlage entfernen. Turbulent ging es auch im Norden Hessens zu: In Kassel krachte ein Baum auf neun geparkte Autos. Den Schaden konnte die Polizei zunächst noch nicht beziffern. In Hannovers Innenstadt riss der Sturm Teile eines Baugerüsts am Finanzamt ab. Einige Gerüstteile stürzten in den Eingangsbereich und trafen abgestellte Fahrzeuge.

In Hannover sichern Feuerwehrmänner mit einer Teleskopmastbühne ein Baugerüst auf dem Dach des Finanzamts. Teile eines 20 Meter hohen Baugerüsts wurden an der Fassade aus den Halterungen gedrückt. Bild: dpa

In der niedersächsischen Landeshauptstadt wurden außerdem Freiflächen und der Tiergarten geschlossen. In Hamburg löste starker Regen örtlich Überschwemmungen aus. Der Sturm riss zudem viele Äste von Bäumen. Am U-Bahnhof Lattenkamp drohten Äste auf die Gleise zu stürzen. Der U-Bahnbetrieb wurden zwischenzeitlich unterbrochen. In Dresden musste die Feuerwehr mehrfach wegen umgekippter Bäume, umgewehter Straßenschilder und herabgestürzter Dachziegel ausrücken. In Ostsachsen, Thüringen und Brandenburg gab es ebenfalls kleinere Schäden.

In der ostfriesischen Gemeinde Horumersiel knickt der Sturm das Rotorblatt eines Windrades ab. Bild: dpa

Sturm KIRSTEN war auch im Süden Deutschlands zu spüren. In Karlsbad bei Karlsruhe stürzte ein Baum auf eine Stadtbahn. Der Fahrer und die 25 Fahrgäste blieben unverletzt. Die Bahn musste abgeschleppt werden, die Strecke blieb mehrere Stunden lang gesperrt. In Mittelfranken und Oberbayern blockierten umgestürzte Bäume ebenfalls einzelne Zugstrecken. Am Bodensee in der Nähe von Überlingen wurden ein vierjähriges Mädchen, seine Tante und sein Onkel nur dank eines glücklichen Zufalls in letzter Minute gerettet.

Sie waren mit drei weiteren Verwandten auf einem Motorboot unterwegs. Das Mädchen und die Tante gingen ins Wasser, als Sturm aufzog. Beide schafften es bei starkem Wellengang nicht mehr ins Boot, der Mann versuchte den beiden vergebens zu helfen. Die Wasserschutzpolizei rettete die um ihr Leben kämpfenden Menschen. Auch an den einigen oberbayerischen Seen liefen zahlreiche Einsätze der Wasserrettung. Viele Menschen hatten wegen des sonnigen und warmen Wetters die Stärke des Sturms unterschätzt.

Der Sturm wühlt den Ammersee in Oberbayern auf. Dort ist das Baden wegen des starken Seegangs nicht ungefährlich. Bild: dpa

Mehrfach wurden die DLRG-Retter am Starnbeger See, am Waginger und Tachinger See sowie am Chiemsee zur Bergung von unbesetzten, losgerissenen oder manövrierunfähigen Booten alarmiert. Am Chiemsee spülte der starke Westwind große Segeljachten regelrecht an Land. Gekenterte Boote konnten laut Polizei teilweise nicht geborgen und zunächst nur vor Anker gelegt werden. An der Nordseeküste setzten die großen Fähren trotz des Sturms zu den Ostfriesischen Inseln über.

Die Topliste zeigt die Spitzenböen in Lagen unterhalb von 500 Meter Höhe.

Insgesamt hielten sich die Sturmschäden jedoch in Grenzen. Vielerorts wurden in den nördlichen und mittleren Landesteilen Windböen zwischen 70 und 100 Kilometer pro Stunde gemessen. So meldete Erfurt eine schwere Sturmböe von 97 Kilometer pro Stunde, in Nörvenich bei Aachen waren es 90 Stundenkilometer. Auf dem Brocken im Oberharz blies der Wind mit Orkanstärke. Dort wurde eine Böe von Tempo 144 registriert.

(Ein Bericht von Sebastian Keßler und Tommy Kühnlein aus der WetterOnline-Redaktion mit Material von dpa)

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