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Dienstag, 07.01.2020

Orion-Stern wird immer dunkler

Steht Beteigeuze vor Supernova?

Einer der hellsten Sterne unseres Nachthimmels könnte bald für immer erlöschen: Beteigeuze im Sternbild Orion wird seit Wochen immer dunkler. Experten rätseln, ob dies bereits Anzeichen einer nahenden Supernova-Explosion sind.

Beteigeuze, linker Schulterstern des Sternbildes Orion ist so groß, dass er mit modernster Teleskoptechnik nicht nur als Lichtpunkt, sondern als Scheibchen zu sehen ist. Bild: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/ E. O'Gorman/ P. Kervella

Dass die Leuchtkraft des Beteigeuze zyklischen Schwankungen unterliegt ist seit langem bekannt. So bläht er sich in einem knapp sechsjährigen Zyklus um bis zu 15 Prozent auf, kühlt dabei ab und wird dunkler. Dann zieht sich der Stern wieder zusammen und Temperatur und Leuchtkraft legen wieder zu. Ein zweiter die Leuchtkraft verändernder Zyklus dauert 14 Monate und beide Perioden können sich überlagern. Doch so dunkel wie zurzeit haben Forscher den Stern noch nie gesehen und auch das Tempo der aktuellen Verdunkelung ist bisher beispiellos.

Künstlerische Darstellung des Beteigeuze mit ausgestoßenen Wolken aus Gasen und Staub. Der Stern verheizt seinen Wasserstoff so schnell, dass ihm nach nur 10 Millionen Jahren bereits der Brennstoff ausgeht. Bild: ESO / L. Calçada

Einige Forscher glauben daher, dass sich der linke Schulterstern des Orion dem Ende seines Sternenlebens nähert und das könnte noch höchst spektakulär werden: Rote Riesensterne beenden ihr Dasein in der Regel in einer gewaltigen kosmischen Explosion, einer sogenannten Supernova. Beteigeuzes Explosion wäre dabei so hell, dass der Stern trotz seiner enormen Entfernung von rund 650 Lichtjahren tage-, vielleicht sogar wochenlang so hell wie der Mond am Nacht- und auch am Taghimmel leuchten würde, bevor seine Überreste allmählich wieder verblassen.

Beteigeuze ist der linke Schulterstern des Sternbildes Orion, das sich in klaren Winternächten hoch über den Südhorizont erhebt. Der zehnthellste aller Sterne am Nachthimmel ist derzeit nur noch auf Rang 21 und wird immer noch dunkler.

Da die Entwicklungsstadien im Vorfeld einer Supernova bisher noch nie beobachtet worden sind, wissen die Astronomen aber nicht, wann genau Beteigeuze explodieren wird. Sicher ist nur, dass er nach kosmischen Maßstäben unmittelbar vor seinem Ende steht. Dies könnte schon in den kommenden Tagen, erst in Jahrzehnten oder sogar Jahrtausenden geschehen. Die aktuelle, außergewöhnlich starke Abdunklung könnte auch von besonders großen Staubmassen herrühren, die der sterbende Stern gerade ins Weltall bläst und die sein Licht nur vorübergehend filtern.

Beteigeuze hat den tausendfachen Durchmesser unserer Sonne und würde in unserem Sonnensystem bis zur Umlaufbahn des Jupiter reichen. Sein Explosionsblitz würde sogar am Taghimmel sichtbar sein. Bild: ESO / L. Calçada

Nur soviel ist schon heute gewiss: Wenn wir den Lichtblitz von Beteigeuzes Explosion sehen, wird der Stern tatsächlich schon lange verschwunden sein. Denn wegen der großen Entfernung kommt das letzte Aufbäumen seines Lichts erst 650 Jahre nach seiner finalen Explosion bei uns an. Anders gesagt: Die aktuell beobachtete Abdunkelung des Sterns hat sich bereits vor 650 Jahren ereignet. Sollte sie tatsächlich der Auftakt zur Supernova sein, ist gut möglich, dass Beteigeuze schon seit Jahrhunderten nur noch aus ins Weltall jagenden Trümmern besteht.

Der Krebsnebel im Sternbild Stier ist der Überrest einer Supernova-Explosion, die vor fast tausend Jahren von der Erde aus beobachtet werden konnte. Er ist rund 6300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Bild: NASA

Der Erde droht im Falle einer Supernova-Explosion von Beteigeuze übrigens keine Gefahr. Denn obwohl bei einem solchen Ereignis soviel Strahlungsenergie freigesetzt wird, dass der explodierende Stern für kurze Zeit heller aufleuchtet als alle Sterne einer Galaxie zusammen, wird nur seine unmittelbare kosmische Nachbarschaft im Umkreis von etwa zehn Lichtjahren in Mitleidenschaft gezogen. Unsere Erde liegt so weit außerhalb dieser Gefahrenzone, dass wir dem kosmischen Schauspiel einer Supernova des Beteigeuze unbesorgt entgegenblicken können.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline Redaktion)

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