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Klimawandel

Mittwoch, 21.08.2019

Weltweiter Gletscherschwund

Alpengletscher werden kleiner

Erstaunt blickt die Welt nach Island: Dort ist der ehemalige Gletscher Okjökull fast komplett weggeschmolzen. Den Alpengletschern wird es in Zukunft nicht besser gehen. Doch nicht nur die Erderwärmung beschleunigt den Eisschwund.

Das Bild zeigt eine Satellitenaufnahme des Okjökull aus dem Jahr 1986 (links) und eine aus 2019 (rechts). Bild: dpa

Der Okjökull ist der erste Gletscher Islands, der dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist. Wo früher eine dicke Eisschicht den Vulkan bedeckte, liegt nun Geröll. Weltweit verlieren schmelzende Gletscher jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis, wie Forscher von der Universität Zürich aus Satellitenmessungen und Beobachtungen vor Ort ausgewertet haben. Zwischen 1961 und 2016 waren das mehr als 9000 Milliarden Tonnen Eis. Vom Eisschwund sind auch die Alpengletscher betroffen.

Rund um den Zugspitzgipfel sind noch Schneereste zu erkennen. Vergangenes Jahr um diese Zeit war das Gebiet durch den ungewöhnlich warmen und trockenen Sommer schneefrei. Bild: foto-webcam.eu

Zwar gibt es im August dieses Jahres mehr Schneeflächen als im vergangenen, doch davon werden die meisten Alpengletscher kaum profitieren. Im Winter und Frühjahr kam in den Alpen ungewöhnlich viel Schnee zusammen, wie beispielsweise auf Deutschlands höchstem Berg - der Zugspitze. Durch die dicke Schneedecke hat es im Sommer einen gewissen Puffer gegeben, der die hohen Temperaturen etwas abfangen konnte. Inzwischen ist vom Schnee aber kaum noch etwas übrig.

Auf der Zugspitze wurde am 22. Mai erstmals seit 20 Jahren die 6-Meter-Marke bei der Schneehöhe geknackt. Doch diese Schneemassen sind bis Mitte August weggeschmolzen.

Bis Ende dieses Jahrhunderts wird sich in den Alpen kaum ein Gletscher halten können. Steigen die Temperaturen in Folge des Klimawandels weiter kräftig, dürften bis zum Jahr 2100 die Gletscher bis auf einen kümmerlichen Rest von allenfalls fünf Prozent der heutigen Eismassen verschwunden sein. Doch nicht nur die steigenden Temperaturen, sondern auch die Luftverschmutzung trägt dazu bei, dass sich der Gletscherschwund beschleunigt.

Das rekordwarme Frühjahr 2018 hat den Alpengletschern stark zugesetzt. Gletscherexperte Dr. David Volken zeigt sich im Interview mit WetterReporter Marco Kaschuba auf dem Schweizer Rhonegletscher besorgt über den extremen Eisschwund.

Das Rückstrahlvermögen, auch als Albedo bezeichnet, ist eine wichtige Eigenschaft von Gletschern. Bei Neuschnee liegt sie bei rund 90 Prozent. Zusammengedrückter und teils nasser Sommerschnee kommt auf rund 60 Prozent. Mit Ruß und Staub verschmutztes Eis hat dagegen nur noch 40 Prozent. Je dunkler das Eis wird, desto schneller schmilzt es daher. Insbesondere Rußpartikel durch Waldbrände, aber auch Feinstaub durch Industrieanlagen, Auto- und Lkw-Verkehr, Heizungen sowie Landwirtschaft sind dafür verantwortlich.

Je dunkler das Eis, desto mehr Wärme sammelt sich. Anstatt die Sonnenstrahlen zurück ins All zu reflektieren, wird die Energie zum Schmelzen des Eises umgesetzt.

In der Arktis wird schon seit Jahren beobachtet, dass besonders die Verschmutzung durch Rußpartikeln zunimmt. Im vergangenen und in diesem Jahr brachen große Waldbrände von Alaska bis nach Sibirien aus. Ihr Ruß flog über Tausende Kilometer bis nach Grönland und verschmutzte dort die Eisschilde weiter. Der von Menschen produzierte Feinstaub wird vom Boden aufgewirbelt und kann schlimmstenfalls ins Hochgebirge verfrachtet werden.

(WO/dpa)

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