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Klimawandel

Samstag, 18.06.2016

Polarjet als Warmluft-Express

Rekord-Eisschmelze auf Grönland

Noch nie seit Messbeginn ist so viel Eis von Grönlands Gletschern geschmolzen wie im Sommer 2015. Schuld daran ist der Polarjet. Er schaufelt mehr Warmluft in den Norden der Insel als in den Jahrzehnten zuvor.

Der Polarjet ist ein Starkwindband, das die ganze Erde umspannt. Dieses Band lenkt nicht nur die wetterbestimmenden Hoch oder Tiefs vom Atlantik nach Europa, sondern schwingt auch noch wie ein Pendel hin und her. Mal reicht es weit nach Süden, mal bis in den hohen Norden.

Nicht nur das Meereis vor Grönlands Küsten ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgewichen, sondern auch die Gletscher der Insel haben mehr Schmelzwasser produziert als zuvor. Forscher haben nun herausgefunden, dass dies auf eine Wechselwirkung zwischen der globalen Klimaerwärmung und dem sogenannten Polarjet zurückzuführen ist. So hat sich die Arktis schneller und stärker erwärmt als die anderen Regionen der Erde. Diese Erwärmung hat aber zur Folge, dass der Polarjet stärker schwingt als früher und daher Grönlands Norden erreicht.

Die Forscher sehen eine düstere Zukunft für Grönlands Gletscher: Schreitet die Erwärmung der Arktis mit dem gleichen Tempo voran wie zuletzt, dürfte bald eine Rekordschmelze auf die andere folgen. Bild: Michael Sachweh

Doch wenn der Wind öfter aus südlichen Richtungen weht, gelangt auch mehr Warmluft bis ins Polarmeer und die Klimaerwärmung beschleunigt sich dadurch weiter. Das Plus an Wärme über dem arktischen Ozean hat jedoch wiederum zur Folge, dass sich einst stabile Windströmungen häufiger ändern, sodass der Polarjet auch öfter als bisher bis in den Norden Grönlands reicht. So versetzt die Erwärmung den Jet vermehrt in Schwingung, der deshalb seinerseits die Erwärmung weiter verstärkt. Ein Teufelskreislauf, der sich selbst immer weiter hochschaukelt.

Schmelzende Eisberge im Polarmeer: Die Schmelze sowohl des Meereises als auch grönländischer Gletscher hat ein beängstigendes Tempo erreicht.

Auch in diesem Jahr ist die Lage im Norden Grönlands beunruhigend. Bereits im Frühjahr war es dort tagelang außergewöhnlich warm, sodass die Eisschmelze weitaus früher einsetzen konnte als sonst. Sie erreichte schon damals vorübergehend fast sommerliche Schmelzraten. Auch in den vergangenen Wochen gab es auf Grönland eine ausgeprägte Warmphase, sodass die Schmelzprozesse inzwischen schon hochsommerliches Niveau erreicht haben. Die Forscher befürchten, dass die veränderten Windströmungen zum neuen Normalzustand werden könnten.

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