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Unwetter im Rückblick

Donnerstag, 01.03.1990

VIVIAN, WIEBKE und Co

Schwere Orkanserie im Spätwinter

Eine Serie heftiger Stürme und Orkane hat vom 25. Januar bis 1. März 1990 weite Teile Europas schwer gebeutelt. Rund 200 Menschen starben, die Schäden gingen in die Milliarden. Große Waldstücke wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Orkan DARIA reißt am 25. Januar 1990 unzählige Bäume um. Ein Nahverkehrszug bei Babenhausen in Hessen entgleist. Der hintere Waggon wird dabei von dem bereits umgekippten vorderen Zugteil aufgerissen. Bild: dpa

Eine ganze Kette von Sturm- und Orkantiefs überquerte in rascher Abfolge Mitteleuropa. Los ging es am 25. Januar mit DARIA: Bei Schottland bildete sich ein Orkantief, in dessen Zentrum ein Luftdruck von 950 Hektopascal verzeichnet wurde. In Deutschland erreichten die Orkanböen örtlich bis zu 172, verbreitet zwischen 120 und 130 Kilometer pro Stunde. Großes Chaos hinterließ der Orkan in Nord- und Mitteleuropa, wo die Schäden sich auf umgerechnet rund 4,4 Milliarden Euro beliefen. 94 Menschen kamen ums Leben, allein in Deutschland acht.

Orkanböen bis Tempo 150 zerstören die Überdachung der Londoner U-Bahnstation Waterloo. Der verheerende Orkan DARIA, der über Großbritannien und Mitteleuropa tobt, forderte Dutzende Menschenleben. Bild: dpa

HERTA folgte am 3. Februar und richtete vor allem im Saarland, in Rheinland- Pfalz und Hessen schwere Schäden an. Dabei wurden örtlich Böen bis Tempo 150 gemessen. Sieben Menschen starben. Der versicherte Schaden lag in Euro umgerechnet etwa bei 770 Millionen. Am 8. Februar tobte dann Sturmtief JUDITH mit Böen von 90 bis knapp 130 Kilometer pro Stunde, gefolgt von NANA (11.2.) und OTTILIE (12.2.).

Mitte des Monats rauschte dann POLLY durch. Etwa nördlich des Mains schneite es heftig, südlich davon verursachte ergiebiger Dauerregen großflächige Überschwemmungen und löste Hochwasser an Saar, Mosel, Rhein und Donau aus. Im Schwarzwald fielen örtlich mehr als 170 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb eines Tages. Richtig schadensreich wütete jedoch VIVIAN am 26. und 27. Februar.

VIVIAN verursacht in Zürich massive Sturmschäden. Bild: dpa

Am 26. Februar wurde auf Sylt ein Luftdruck von 957 Hektopascal gemessen, wahrscheinlich der tiefste in einem Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Am selben Tag registrierte St. Peter-Ording eine Orkanböe von Tempo 148, einen Tag später waren es auf dem Wendelstein 265 (!) Kilometer pro Stunde. Im Flachland fegten weitflächig Böen zwischen 120 und 130 Kilometer pro Stunde. Durch Orkan VIVIAN starben europaweit 64 Menschen, allein 15 in Deutschland. In Hamburg gab es mehrere aufeinanderfolgende Sturmfluten.

VIVIAN gehört zu den teuersten Winterstürmen des 20. Jahrhunderts. Die Schäden gingen in die Milliarden. Allein in Deutschland ging man von einem versicherten Schaden von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro aus. Zahlreiche Karnevalsumzüge am Rosenmontag fielen aus oder wurden abgebrochen. Nur einen Tag später folgte WIEBKE, deren schwere Sturmböen und Orkanböen erneut Chaos hinterließen. Die stärkste Böe wurde auf dem Jungfraujoch in der Schweiz mit 285 Kilometer pro Stunde gemessen.

VIVIAN und WIEBKE verwüsten große Waldgebiete, wie hier im Taunus. Bild: dpa

Betroffen waren neben Deutschland die Schweiz und Österreich, wo ganze Wälder verwüstet sowie Tausende Häuser und Autos beschädigt oder zerstört wurden. Insgesamt kamen 35 Menschen ums Leben. Die Schadenskosten in Deutschland waren ähnlich hoch wie bei VIVIAN. Hochrechnungen gehen von 60 bis 70 Millionen Festmetern Sturmholz in den deutschen Wäldern aus, das entsprach damals in etwa dem doppelten Jahreseinschlag.

Aufräumarbeiten auf der Bahnstrecke München-Holzkirchen bei Sauerlach. Der Orkan WIEBKE, der in der Nacht zum 1. März 1990 tobt, entwurzelt unzählige Bäume. Straßen und Gleise müssen von Sturmschäden geräumt werden. Bild: dpa

Vor allem der Windwurf machte Waldbesitzern und Förstern auch Monate nach dem Sturmchaos schwer zu schaffen, vor allem wegen der befürchteten Borkenkäferplage im Frühjahr. Dies leitete jedoch ein Umdenken in der Forstwirtschaft ein. Statt Monokulturen durch Fichten in den Mittelgebirgen forcierte man strukturreiche Mischbestände, wodurch der Wald stabiler wurde. Der Kahlschlag, den die Stürme zurückließen, war 20 Jahre später weitgehend verschwunden.

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