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Unwetter im Rückblick

Dienstag, 31.01.1995

Starkes Winterhochwasser

Fluten erreichen viele Städte

Rund ein Jahr nach dem verheerenden Weihnachtshochwasser 1993 haben der Rhein und seine Nebenflüsse Ende Januar 1995 wieder starkes Hochwasser geführt. Fünf Todesopfer waren zu beklagen. Der Gesamtschaden wurde auf umgerechnet etwa 270 Millionen Euro beziffert.

Teile der Kölner Altstadt stehen wie beim Weihnachtshochwasser 1993 unter Wasser. Bild: dpa

Die Kölner hatten gerade das Weihnachtshochwasser 1993 einigermaßen verkraftet, als der Rhein schon wieder bedrohlich anstieg. Ende Januar traten Deutschlands größter Strom und seine Nebenflüsse über die Ufer. Dabei wurden neue Rekordmarken erreicht. So wurde in Köln ein Wasserstand von 10,69 Meter gemessen, etwas mehr als bei dem letzten Jahrhundertflut 1993. In vielen Häusern der Kölner Altstadt waren die Wände noch feucht vom letzten Mal. 4000 Bürger waren durch die Überschwemmungen direkt betroffen.

Angehörige der Feuerwehr beobachten an einer mobilen Schutzmauer den Wasserstand des Rheins. Kurze Zeit später ergießt sich das Wasser über die Schutzwände und überflutet die Kölner Altstadt. Bild: dpa

Viele Häuser und Straßen wurden in der Domstadt sowie in anderen Städten und Gemeinden entlang des Rheins und seinen Zuflüssen überschwemmt. Retter in Booten brachten die Bewohner in Sicherheit. In Bonn standen die Fluten am Rhein 10,08 Meter hoch. Die Anwohner sicherten ihr Hab und Gut, Senioren und Kinder wurden evakuiert. Der Ort Bernkastel-Kues war nach einem Erdrutsch von der Außenwelt abgeschnitten. Auch der Main überschwemmte ufernahe bewohnte Gebiete. Zudem fiel der Strom in einigen Regionen aus.

Hochwasser in Bonn-Beuel: Ein Boot des Technischen Hilfwerkes versorgt die von der Überschwemmung betroffenen Anwohner. Bild: dpa

An einzelnen Flussabschnitten musste die Schifffahrt zeitweise eingestellt werden. Fast zwei Wochen waren Main, Saar und Mosel nicht befahrbar. In den Niederlanden wurden mehr als 200.000 Menschen evakuiert, da zuvor mit Deichbrüchen und großflächiger Überflutung von Poldern gerechnet worden war. Glücklicherweise hielten die Deiche dem Wasserdruck stand. Verantwortlich für das starke Hochwasser waren eine rasche Schneeschmelze und eine starke milde Südwestströmung, die immer wieder kräftige Regentiefs zu uns lenkte.

Der Schürmannbau (rechts) und Abgeordnetencontainer (links) im Regierungsviertel Bonn sind vom Rheinhochwasser überflutet. Bild: dpa

Teilweise kamen in nur kurzer Zeit 100 Liter Regen pro Quadratmeter zusammen, insgesamt im Januar örtlich bis zu 400 Liter. In der Folge schwollen die Flüsse gewaltig an. Experten gaben jedoch den Stadt- und Landschaftsplanern die Hauptschuld für das starke Hochwasser. Besonders der Rhein war in den vorangegangenen Jahrzehnten in ein Korsett gezwungen worden. Durch die Eingriffe wurde der Rhein zwar bis weit in den Oberlauf schiffbar, aber auch zu einem schnell fließenden Kanal.

Im Mündungsgebiet des Main in den Rhein sind weite Landstriche von Hochwasser überschwemmt. Wie schon beim Weihnachtshochwasser 1993 belasten Schwebstoffe, Schwermetalle und Ölreste die Flüsse. Bild: dpa

90 Prozent der einst breiten Überschwemmungsflächen des Rheins wurden mit Deichen vom Strom abgetrennt und anschließend besiedelt oder bewirtschaftet. Erst danach setzte ein Umdenken im Hochwasserschutz ein, Stichwort: Renaturierung. Mehr Flussauen und ein Rückbau sollen den Flüssen mehr Raum zum Ausbreiten bieten.

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