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Unwetter im Rückblick

Samstag, 04.12.1999

Milliardenschäden nach ANATOL

Orkan fordert mehrere Todesopfer

Orkan ANATOL ist am 3. und 4. Dezember 1999 über Nordeuropa und Norddeutschland gefegt. Mehrere Menschen kamen ums Leben. In Dänemark galt er als schlimmster Orkan des 20. Jahrhunderts und verursachte Milliardenschäden.

ANATOL zerstört auf Sylt einzelne Häuser, wie hier in Kampen. In List wurden Windgeschwindigkeiten von Tempo 180 gemessen. Auf der Nachbarinsel Föhr werden hunderte Bäume umgeweht. Bild: dpa

Eines der schwersten Unwetter der vergangenen Jahrzehnte hinterließ besonders in Hamburg und Schleswig-Holstein Schäden in Millionenhöhe. Drei Menschen starben, mindestens sechs wurden zudem schwer verletzt. An der Nordseeküste lief eine schwere Sturmflut auf, die Deiche an Nordsee und Elbe hielten dem Wasser aber stand. In der Nacht zum 4. Dezember wurde mit 5,86 Metern über Normalnull der höchste Wasserstand erreicht. Der Pegel lag höher als bei der tödlichen Flut von 1962, als mehr als 300 Menschen ertranken.

Mehrere Meter abgebrochen ist das rote Kliff bei Kampen auf der Nordseeinsel Sylt. Meterhohe Wellen räumen die Strände von List bis Hörnum sehr stark aus. Die Schäden gehen in den Millionen. Bild: dpa

Andernorts deckte der Orkan Dächer ab, entwurzelte unzählige Bäume und riss Stromleitungen ab. Zudem versanken Autos im Wasser. Auch im Bahn- und Autoverkehr gab es erhebliche Behinderungen. In Dänemark, Schweden, Polen, im Baltikum und im Westen Russlands kamen insgesamt 13 Menschen ums Leben, einige wurden in ihren Autos von umgestürzten Bäumen getroffen oder von Dachziegeln erschlagen. ANATOL richtete Schäden von rund drei Milliarden Euro an.

Auf einer überschwemmten Straße im Hamburger Stadtteil Blankenese treibt ein Auto. ANATOL schiebt eine Sturmflut vor sich her und drückt das Nordseewasser in die Elbe hinein. Die Deiche werden seitdem auf bis zu acht Meter aufgeschüttet. Bild: dpa

In der dänischen Hafenstadt Esbjerg zum Beispiel schlugen Funken von den Elektroleitungen und die Masten von Werbefahnen wurden wie Streichhölzer umgeknickt. Noch am Folgetag waren im ganzen Land zehntausende Haushalte ohne Strom. In fast allen Landesteilen legte der Orkan das öffentliche Leben lahm. Der Meeresspiegel war auf den höchsten jemals gemessenen Stand von fünfeinhalb Metern über Normal gestiegen.

ANATOL, in Skandinavien auch CAROLA genannt, verstärkte sich am 2. Dezember 1999 als Tiefdruckwirbel rasch zu einem Orkan. Im Mittel wurden Windgeschwindigkeiten um 135 Kilometer pro Stunde, in Böen sogar bis Tempo 183 gemessen. Den Tiefpunkt von 955 Hektopascal erreichte er über der Halbinsel Schonen. Sein Ende fand Anatol am 4. Dezember 1999, mit 970 Hektopascal, über dem Baltikum.

(WO/dpa)

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