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Samstag, 18.09.2021

Polarwirbel pure Spekulation

Wintervorhersage "für die Tonne"

Es geht auf Ende September zu und es wird scheinbar höchste Zeit für die ersten Winterprognosen. Angebliche Experten sehen bereits einen "Eiswinter" kommen. Was von solchen Prognosen zu halten ist, sieht man schnell, wenn man in die Vergangenheit schaut.

Winterprognosen kann man getrost in die Mülltonne werfen. Wenn sie stimmen, dann nur zufällig.

Viele der Aussagen über den kommenden Winter beruhen auf dem Climate Forecast Systems (CFS) des amerikanischen Wetterdienstes. Dies ist ein Wettermodell, das mit aktuellen und früheren Wetterdaten gespeist wird. Damit werden Vorhersagekarten über mehrere Monate im Voraus berechnet. Angegeben wird jeweils die Temperatur- oder Niederschlagsabweichung gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020.

Das Modell liefert maximal erste Tendenzen, die sich nicht selten wöchentlich ändern. Auch die an solchen Modellen beteiligten Forscher weisen fairerweise darauf hin, dass die Vorhersagen experimentell sind und noch sehr viel Forschungsarbeit hineingesteckt werden muss. Dennoch gibt es immer wieder "Experten", die eine solche Prognose scheinbar eins zu eins veröffentlichen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Die aktuelle Vorhersage des Climate Forecast Systems für den Januar 2022 geht von einem überdurchschnittlich warmen (orange) Monat aus. Quelle NOAA

Derzeit sieht das CFS die Wintermonate übrigens sogar etwas wärmer als das Mittel der vergangenen 30 Jahre. In Zeiten des Klimawandels ist dies nicht unwahrscheinlich. Von einem "Eiswinter" ist im amerikanischen Wettermodell nichts zu sehen.

Gepasst hat die Vorhersage in der Vergangenheit nicht wirklich, man hätte genauso gut würfeln können. So wurde zum Beispiel der April 2021 als sehr warm vorhergesagt. Am Ende ist er als der kälteste der vergangenen 40 Jahre in die Wettergeschichte eingegangen.

Verena Leyendecker zeigt im Video, welche Prognosen für den Sommer 2021 kursierten. Im Sommerrückblick ist nachzulesen, wie er wirklich war.

Weitere Vorhersagen für den Winter beziehen sich nicht auf das Climate Forecast System, sondern auf den sogenannten Polarwirbel. Dies ist ein Kalfluftwirbel in 10 bis 50 Kilometer Höhe, der von kräftigen Winden begrenzt wird. Die Winde wirken wie eine Mauer und lassen die kalte Luft nicht entweichen. Nun kommt es ab und zu im Winter vor, dass warme Luft in diesen Kaltluftwirbel eindringt und ihn manchmal sogar teilt.

Dies ist der sogenannte Polarwirbel-Split, den es zum Beispiel im Januar diesen Jahres gegeben hat. Ein solcher geschwächter Polarwirbel kann sich zeitversetzt in der unteren Atmosphäre auf unser Wetter auswirken. Grob gesagt werden die milden Westwinde geschwächt, die Strömung bei uns beginnt stärker hin- und herzupendeln und arktische Polarluft kann dann leichter nach Süden vordringen. Eine Folge davon waren im vorherigen Winter zum Beispiel die Kaltlufteinbrüche.

Im Video erklären wir der Polarwirbel unser Wetter beeinflussen kann.

Die Auswirkungen des Polarwirbel-Splits sind in einigen Studien belegt. Jedoch ist es nicht möglich, schon jetzt vorherzusagen, wie sich der Polarwirbel entwickeln wird. Wenn also schon jetzt über das Verhalten des Polarwirbels im kommenden Winter spekuliert wird, dann ist das reine Kaffeesatzleserei.

Fazit: Jahreszeitprognosen sind Rätselraten ohne Wenn und Aber. Dabei ist es irrelevant, ob man Modellprognosen betrachtet oder einen Blick auf den Polarwirbel wirft.

(Ein Bericht von Verena Leyendecker aus der WetterOnline-Redaktion)

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