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Unwetter im Rückblick

Mittwoch, 15.08.2012

Rekordtrockenheit in den USA

Dürre löst Lebensmittelkrise aus

In den Vereinigten Staaten stöhnen die Menschen unter einer extremen Dürreperiode. Seit Mai hat es in den Bundesstaaten im Mittleren Westen kaum geregnet, dazu gab es verbreitet neue Hitzerekorde. Der Juli war in vielen Regionen der USA der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Viele Wasserspeicher, kleinere Flüsse und Seen führen aufgrund der anhaltenden Trockenheit mittlerweile kaum noch Wasser oder sind sogar völlig ausgetrocknet. Hundertausende Fische verendeten, außerdem wüteten verbreitet schwere Waldbrände.

USA: Juli bis zu sechs Grad wärmer als im Durchschnitt

Noch nie ist ein Juli in den USA so heiß gewesen wie in diesem Jahr. Der Schwerpunkt der Hochsommerhitze lag etwa im Mittleren Westen, ausgerechnet in der Kornkammer des Landes. Zwischen Chicago, Denver und Memphis war der Juli bis zu sechs Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Bildquelle: WetterOnline

Die anhaltende Trockenheit und die leeren Wasserspeicher haben verheerende Folgen für die Landwirtschaft in den USA. Im sogenannten "Corn Belt", einem riesigen Gebiet im Mittleren Westen, in dem vornehmlich Mais, Soja und Getreide angebaut wird, drohen gewaltige Ernteverluste. Besonders schlimm sieht es unter anderem in den Bundesstaaten Illinois, Indiana, Nebraska und Minnesota aus, in insgesamt 1300 Landkreisen wurde der Notstand ausgerufen. Schon jetzt geht das US-Landwirtschaftsministerium von einem Ernteausfall von bis zu 20 Prozent aus.

Die Trockenheit in den USA wird mittlerweile mit der "großen Dürre" in den 1930er Jahren verglichen. Damals sorgten mehrere trockene Jahre in Folge in Zusammenhang mit Misswirtschaft im Mittleren Westen zur bislang schwersten Dürrekatastrophe der Vereinigten Staaten. Die Sonne dörrte den Boden aus, trockene Winde rissen die Krume von den Feldern und führten sie in riesigen schwarzen Staubwolken fort. Ein Gebiet doppelt so groß wie Deutschland versank im Staub und wurde bald "Dust Bowl", Staubschüssel genannt, tausende Farmer flohen.

Die Große Dürre in den 1930er Jahren

Ein Farmer lehnt sich im Mittleren Westen gegen einen Staubsturm, der den völlig ausgedörrten Boden von den brachliegenden Feldern weht. In den 1930er Jahren kam es durch Trockenheit und Misswirtschaft zu einer Dürrekatastrophe noch nie dagewesenen Ausmaßes, bei dem ein Gebiet doppelt so groß wie Deutschland versteppte und unfruchtbar wurde. Bildquelle: U.S. Departement of Agriculture

Durch die großen Ernteverluste in den USA droht möglicherweise eine globale Lebensmittelkrise. Da auch in Russland und Indien Missernten durch Trockenheit und schwache Monsunregenfälle zu beklagen sind, müssen beide Länder wahrscheinlich auf Importe zurückgreifen. Das facht die Preise an: Mais und Weizen sind seit Juni bereits über 50 Prozent teurer geworden. Die Preissteigerungen werden durch Rohstoffspekulanten an den Börsen zusätzlich angeheizt. Experten fürchten, dass es sogar zu Hungerrevolten in Entwicklungsländern kommen kann.

Klimatisch gesehen ist die Dürre in den USA ein Extremereignis, das nur etwa alle hundert Jahre vorkommt. Dass der Klimawandel die Hauptursache für die aktuelle Trockenheit in vielen Regionen der Erde ist, kann zwar nicht pauschal gesagt werden, da eine Klimaänderung sich nicht an einem einzelnen Ereignis festmachen lässt. Allerdings passt die Dürre in den Kornkammern der Welt zu den Prognosen vieler Klimawissenschaftler, die mit zunehmenden Wetterextremen durch die Erderwärmung rechnen.

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