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Wie schlimm war das Unwetter in Genua?

Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua häuften sich wilde Spekulationen - unter anderem auch zu den Wetterbedingungen. Bild: dpa
Ein Kommentar von Markus Müller, Wetterredaktion:
Kurz nach dem Unglück am Dienstag ist immer wieder von Unwettern, Regen, Blitzen und Sturm die Rede gewesen, die ursächlich den Einsturz herbeigeführt haben sollen.
Schauen wir uns die Fakten an: Das "Unwetter" war gemessen an dem, was diese Region regelmäßig im Herbst erlebt, ein Nieselregen. An der Station Genua wurden 22 Liter Regen pro Quadratmeter registriert - nach Radaranalysen sind örtlich auch 30 bis 50 Liter nicht auszuschließen.
Vor allem im Oktober und November, wenn das Mittelmeer noch vergleichsweise warm ist und als Energiequelle dient, fallen in der Region gerne mal 150 bis 300 Liter Regen pro Quadratmeter pro Tag (!). In den Bergen rund um Genua werden bei extremen Lagen sogar bis 400 oder 500 Liter (!) gemessen. Dann sieht man in den Nachrichten die typischen Bilder aus der Hafenstadt, wenn die Autos durch die steilen Bergstraßen gespült werden.
Den meisten Regen am Dienstag gab es dagegen über dem Meer, also gerade nicht so wie bei den schlimmen Unwetterlagen im Herbst, wo es dann natürlich oft zu Erdrutschen kommt. In den Bergen waren die Niederschlagsmengen am Unglückstag sogar geringer als in Genua selbst.
Zu den beobachteten Blitzeinschlägen: Kurz vor dem Einsturz der Brücke wurden zwei Blitzeinschläge in das Bauwerk registriert. Mit Stromstärken von rund 8000 Ampere waren jedoch beide Blitze eher schwach. Nach Einschätzung von Experten für Baustatik können sie als Einsturzursache ausgeschlossen werden.
Thema Wind: Abgesehen von der gemessenen Windspitze von 57 km/h (Windstärke 7) können natürlich lokale Gewitterböen stärker gewesen sein. Aber auch hier gilt, dass die Region zum Beispiel bei Sturmtiefs im Herbst ganz andere Stürme gewöhnt ist. Dazu kommen bei Nordwindlagen heftige Föhnwinde, die von den Ligurischen Bergen ins Tal wehen. Dass allein aufgrund der Wetterbedingungen die Brücke eingestürzt sein soll, ist somit nahezu ausgeschlossen.
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