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Mittwoch, 28.10.2020

Hunderttausende ohne Strom

Verheerender Eissturm in den USA

Ein verheerender Eissturm hat den Süden der USA heimgesucht. In den Bundesstaaten Oklahoma und Texas sind bereits Tausende Bäume und Strommasten unter der Eislast zusammengebrochen, Hunderttausende Haushalte sind ohne Strom.

Im Süden der USA brechen Bäume wie Streichhölzer unter einer oft tonnenschweren Eislast zusammen. Bild: Southern Plains Photography by Sean Ramsey via Facebook

Dem Eissturm vorausgegangen war ein für Ende Oktober für den Süden der USA beispielloser Temperatursturz um mehr als fünfundzwanzig Grad. Während der frühe Wintereinbruch in den nördlichen Bundesstaaten mit heftigen Schneestürmen einher ging, war die heranströmende Frostluftschicht in den Südstaaten nur noch wenige Hundert Meter dick. Darüber hielt sich eine bis zu plus 10 Grad milde Luftschicht, aus der es kräftig in die kalte Schicht am Boden hineinregnen konnte. So kam es in weiten Teilen von Oklahoma und Texas zu stundenlangem Eisregen.

Weil die meisten Bäume jetzt im Oktober noch belaubt sind, bieten sie dem Eisregen eine besonders große Angriffsfläche. Abertausende Bäume sind dem Unwetter daher bereits zum Opfer gefallen. Bild: Alec Scholten via Facebook

Die Folgen des Eisregens für die Natur sind verheerend: Bäume und Sträucher sind mit teils zentimeterdicken Eispanzern überzogen und brechen unter der oft tonnenschweren Eislast zusammen. Allein in der Hauptstadt Oklahomas, in Oklahoma-City, sind Tausende Bäume betroffen, etliche von ihnen sind bereits umgestürzt oder in sich zusammengebrochen. Aber auch zahllose Strommasten halten dem Gewicht der Eismassen nicht stand. Viele Leitungen hängen durch oder sind schon abgerissen, wodurch es zu folgenschweren Kurzschlüssen und Stromausfällen kommt.

Frostluft hat sich in den vergangenen Tagen bis weit in den Süden der USA ausgebreitet.

Solche Wetterextreme sind in den USA nicht ungewöhnlich. Grund dafür ist das Fehlen von Gebirgszügen in West-Ost-Ausdehnung, die eine Barriere gegen Kaltluftvorstöße aus Norden bilden würden. So kann arktische Frostluft auf direktem Wege weit in den Süden vorstoßen und binnen kurzer Zeit Temperaturstürze von dreißig Grad und mehr auslösen. Außergewöhnlich ist allerdings ein so heftiger "Arctic Outbreak" so früh im Winterhalbjahr so weit im Süden des nordamerikanischen Kontinents.

Eisblumen im wahrsten Wortsinn: Diese Herbstblüten wurden von der zentimeterdicken Eisschicht regelrecht glasiert. Bild: Alec Scholten

So stehen sich aktuell im Süden der USA arktische Frostluft und ein tropischer Wirbelsturm auf engstem Raum gegenüber. Denn an der Golfküste zieht - nur 650 Kilometer von der Eisfront entfernt - gerade der Hurrikan ZETA auf. Immerhin zieht sich die Frostluft in den nächsten Tagen so schnell wieder zurück, wie sie gekommen ist. Schon am Wochenende steigen die Temperaturen in den vom Eissturm betroffenen Regionen Oklahomas wieder auf Werte um 20 Grad.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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