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Donnerstag, 28.10.2021

Droht ein Wirbelsturm?

Unwettertief im Mittelmeer

Nach dem schweren Unwetter auf Sizilien braut sich nun über dem Mittelmeer möglicherweise ein Wirbelsturm zusammen. Dieser sogenannte Medicane könnte für neue heftige Regenfälle und schweren Sturm sorgen.

Die Karte zeigt die Regensummen bis Samstagnachmittag.

In Süditalien ist nach den dramatischen Bildern aus der sizilianischen Hafenstadt Catania die Unwettergefahr noch nicht vorbei. Auf dem Ionischen Meer zwischen Griechenland und Italien verstärkt sich derzeit ein Tief möglicherweise zu einem Medicane. Dabei handelt es sich um einen gefährlichen Sturm mit hurricane-ähnlichen Strukturen.

Welche Regionen vom Medicane betroffen sein werden, zeigen wir im Video.

Die Zugbahn des möglichen Medicanes mit dem Namen APOLLO wird von den Wettermodellen noch unterschiedlich berechnet. Ein Szenario ist, dass Sizilien und die Region Kalabrien in Süditalien "nur" von dem Medicane am Freitag gestreift wird. Die stärksten Niederschläge sind dann auf dem zentralen Mittelmeer zu erwarten. Trotzdem bedeutet dies keine Entwarnung für Sizilien und Kalabrien, denn es sind weiterhin große Regenmengen in sehr kurzer Zeit nicht auszuschließen. Begleitet werden die Regenfälle von einem stürmischen Wind.

Auch die Bewohner auf Malta, eine Inselgruppe zwischen Sizilien und der Küste Nordafrikas, müssen sich auf Sturm und unwetterartige Regenfälle einstellen. Anschließend zieht APOLLO Richtung Libysches Meer zwischen Kreta und der nordafrikanischen Küste ab. Besonders für die Schifffahrt bleibt der mögliche Medicane mit Orkanböen über 120 Kilometer pro Stunde auf offenem Meer und meterhohen Wellen gefährlich.

Im Herbst gibt es am Mittelmeer die meisten Unwetter. Vor allem im Oktober sind kräftige Gewitter, manchmal mit Tornados möglich. Warum das so ist, erklärt Verena Leyendecker im Video. Quellen: PassioneEtna via youtube, WeatherSicily via facebook, NASA

Der Begriff "Medicane" setzt sich aus "mediterran" und "Hurricane" zusammen. Offiziell spricht man ab mittleren Windgeschwindigkeiten von 112 Kilometer pro Stunde von einem Medicane. Dieser entsteht, wenn über dem noch warmen Mittelmeer große Wassermassen verdunsten und sich mächtige Gewitterwolken bilden. Durch die Drehung der Erde werden diese in Rotation versetzt. Abwärts gerichtete Luftströmungen in deren Zentrum lösen dort die Wolken wieder auf und das auch für Medicanes typische windschwache Auge entsteht.

Im Gegensatz zu tropischen Stürmen treten bei einem Medicane die höchsten Windgeschwindigkeiten in den spiralförmig um das Tief angeordneten Gewittern auf und nicht in der Nähe des Auges. Spitzenböen können hier weit über 120 Stundenkilometer erreichen und werden von intensiven, lang anhaltenden Regenfällen begleitet.

(Ein Bericht von Sebastian Keßler aus der WetterOnline-Redaktion)

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