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Freitag, 16.04.2021

Der April macht, was er will

Kühler Frühlingsstart Normalfall

Ein kühler Aprilmonat ist eigentlich der Normalfall. Dass wir ihn in diesem Jahr als besonders ungemütlich empfinden, liegt zum einen daran, dass er bisher auch tatsächlich ungewöhnlich kalt ist. Zum anderen wird deutlich, wie sehr wir uns bereits an den Klimawandel gewöhnt haben.

Was ein April so alles an Wetterextremen bieten kann, erklärt Björn Goldhausen im Video.

Sechs der sieben wärmsten Aprilmonate der letzten 140 Jahre wurden in Deutschland innerhalb der letzten 14 Jahre registriert. Der April 2018 war mit einer Mitteltemperatur von 10,5 Grad sogar der wärmste seit Messbeginn. Zudem brachte der zentrale Frühlingsmonat meist viel Sonne und so wenig Regen, dass die Natur schon früh an Wassermangel litt. In diesem Jahr ist jedoch alles ganz anders: Späte Schneefälle und deftige Nachtfröste drückten die Temperaturen im April bisher auf ein deutlich unterdurchschnittliches Niveau.

Ein Blick in die Temperaturstatistik zeigt die auffällige Häufung warmer Aprilmonate in den letzten 14 Jahren.

Zugleich ließ sich die Sonne in der ersten Monatshälfte seltener blicken und zumindest im Norden und in der Landesmitte war es in dieser Zeit auch feuchter als im Mittel der Jahre. Und beim Blick auf die Wetterentwicklung der nächsten Zeit deutet sich noch keine Trendwende an. So scheint sich der April in diesem Jahr also nicht nur als unterkühlter, sondern auch als unfreundlicher und besonders wegen oft ruppigen Windes sehr launischer Frühlingsmonat zu etablieren. Er könnte sich durchaus zum kühlsten April seit mehr als 20 Jahren mausern.

Auch beim Sonnenschein sind im April große Unterschiede möglich. Aber auch hier waren die vergangenen Jahre oft überdurchschnittlich "schön".

Doch wechselhaftes Aprilwetter ist auf lange Sicht gesehen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Nicht umsonst ranken sich um diesen Monat an der Schwelle zwischen Spätwinter und Frühsommer Sprichworte wie "April, April, der weiß nicht, was er will" oder "Aprilwetter und Kartenglück wechseln jeden Augenblick". So sind sonnige und warme Tage ebenso "normal" wie nasskaltes Schauerwetter mit spätem Flockenwirbel und nächtlichem Reif. Einzig und allein die Windrichtung bestimmt, welche Luftmasse und welcher Wettertyp sich durchsetzen kann.

Weht der Wind nämlich wie in diesem Jahr immer wieder aus nördlichen Richtungen, so bringt er kalte Luft aus den Polargebieten mit. Kurze sonnige Abschnitte wechseln sich dann mit kräftigen Schauern ab, die teils noch bis in die Täler herab nasse Schneeflocken bringen. Kommt der Wind dagegen aus Süden, sind schon sommerliche 25 Grad und mehr möglich und selbst die Nächte bleiben vergleichsweise lau. Überwiegt dagegen westlicher Wind, gibt es kaum Temperaturextreme. Dafür fällt dann jedoch öfter Regen und auch die Sonne tut sich eher schwer.

Immer wieder brachten kräftige Aprilschauer bis in tiefe Lagen herab Schnee und machten es den Frühlingsboten schwer.

Dass wir gerade einen besonders kalten April zu erleben glauben, liegt aber nicht nur daran, dass der Wind immer wieder aus Norden kommt. Auch die Häufung sonniger und warmer Aprilmonate in den letzten 14 Jahren trägt zu diesem Empfinden bei. Sie könnte bereits Folge der globalen Klimaerwärmung sein. Wie es scheint, haben wir uns an den Trend zu warmen Frühlingsmonaten schon so sehr gewöhnt, dass uns bereits ein "normaler" April kalt vorkommen würde. Der April 2021 ist aber bisher wirklich recht kalt und fühlt sich daher besonders "eisig" an.

(Ein Bericht von Jürgen Vollmer aus der WetterOnline-Redaktion)

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