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Donnerstag, 12.03.2015

Zur Güte von Langfristprognosen

Droht uns ein "Grusel-Sommer"?

Kaum hat der Frühling begonnen, wird von den ersten "Experten" auch schon über einen vermeintlichen "Grusel-Sommer" orakelt. Doch was ist von solchen reißerischen Schlagzeilen zu halten?

Mit der richtigen Kleidung kann auch ein Regensommer Spaß machen.

Eine zutreffende Sommervorhersage wäre für viele Wirtschaftsbereiche Gold wert und auch die meisten Menschen interessiert die Frage nach dem Sommer jedes Jahr aufs Neue. Davon zeugen schon jahrhundertealte Bauernregeln wie der Siebenschläfer: "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag." Doch während man damit Ende Juni eine 7-Wochen-Prognose wagt, sind es jetzt im März allein bis zum Sommeranfang noch drei Monate hin. Dennoch feiern Sommerprognosen schon wieder Hochkonjunktur.

Solche Vorhersagen stützen sich oft auf so unterschiedliche Methoden wie Bauernregeln, Bauchgefühl und langfristige Computerrechnungen. Besonders der amerikanische Wetterdienst verdreht mit seinen scheinbar exakten Vorhersagen so manchem Wetterfrosch den Kopf. Dessen experimentelle Langfristprognosen spucken für Europa scheinbar genaue Abweichungen der Monatsmittelwerte für das nächste halbe Jahr aus. Und mit diesen pflegen pfiffige "Experten" Wetterfans immer wieder in Aufruhr zu versetzen.

Die experimentelle Prognose der Mitteltemperatur des Langfristmodells spuckt für den deutschen Sommer keinerlei Abweichungen vom Mittel aus. Wie sich hieraus ein Grusel-Sommer ableiten lässt, bleibe dahingestellt. Bild: NWS/NCEP/CPC

Demnach stünde uns weder ein kalter, noch ein warmer, sondern ein völlig durchschnittlicher Sommer ins Haus, was in Zeiten der Klimaerwärmung allerdings viele schon als unangenehm empfinden würden. Hinzu kommt, dass für manche Regionen Deutschlands sogar ein wenig mehr Regen als im Mittel prophezeiht wird. Für Sonnenliebhaber wäre das freilich ein Graus!

Aber wie bereits erwähnt, handelt es sich dabei um experimentelle Prognosen, die laut amerikanischem Wetterdienst für den Sommer derzeit eine Vorhersagegüte von nicht einmal 30 Prozent aufweisen. Jede daraus abgeleitete Sommerprognose ist daher nicht mehr als ein Leseversuch im Kaffeesatz. Ihr Wert übersteigt denjenigen von Kirmes-Wahrsagerei allenfalls marginal. Über den Sommer ist also zum Glück noch nichts entschieden und gruseln sollte man sich allenfalls vor derart waghalsigen Interpretationen.

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