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Mittwoch, 11.01.2017

Mythos Wetter und Vollmond

Beeinflusst der Mond das Wetter?

Seit jeher übt der Mond eine eigentümliche Faszination auf uns aus. Er sorgt für Ebbe und Flut, mancher wandelt bei Vollmond im Schlaf und der Volksmund spricht ihm sogar Einfluss aufs Wetter zu. Steht unser Wetter bei Vollmond tatsächlich Kopf?

Der Mond ruft die Gezeiten in unseren Weltmeeren hervor, bei Vollmond sind sie besonders stark ausgeprägt. Ist dann nicht logisch, dass die gleichen Kräfte auch das Wasser der Wolken beeinflussen müssten?

Es sind gewaltige Wassermassen, Milliarden von Liter, die dem Lauf des Mondes Tag für Tag in Gestalt mächtiger Flutberge rund um die Erde folgen. Und ganz besonders hoch werden diese Wasserberge in der Tat zu Zeiten des Vollmondes und des Neumondes. Der Grund: Sonne, Erde und Mond stehen dann in einer Line, sodass sich die Anziehungskräfte der Himmelskörper gegenseitig verstärken. Warum also sollten diese enormen Kräfte nicht auch die Atmosphäre nebst dem Wolkenwasser in unserer Wetterküche bewegen und so auch das Wetter beeinflussen?

Die Anziehungskraft zwischen Erde und Mond wölbt einen Flutberg über die mondzugewandte Seite der Meere auf. Genau gegenüber bewirkt die Fliehkraft einen zweiten Flutberg. Das "fehlende" Wasser dazwischen formt zwei Ebbetäler.

Die Antwort mag überraschen: Die Gezeitenkräfte wirken tatsächlich auch auf die Atmosphäre, ja sogar auf die Erdkruste ein und rufen auch dort Ebbe und Flut hervor. Während der Meeresspiegel auf offener See dadurch um gut einen Meter schwankt, hebt und senkt sich der feste Boden unter unseren Füßen um noch immerhin rund 30 Zentimeter! Davon bemerken wir jedoch nichts, denn diese Bewegung verläuft nicht ruckartig, sondern absolut gleichmäßig. Dagegen ist die Bewegung von Ebbe und Flut in der Atmosphäre so gering, dass sie kaum messbar ist.

Spielt uns unsere Wahrnehmung nur ein Schnippchen oder schlägt das Wetter tatsächlich bei Vollmond um? Und falls nein: Warum nicht?

Der Grund: Luft besitzt eine rund 800 mal geringere Dichte als Wasser, sodass auch den Gezeitenkräften in der Atmosphäre nur eine weitaus geringere Angriffsmasse zur Verfügung steht. Deshalb ist das vom atmosphärischen Flutberg verursachte Auf und Ab des Luftdrucks kaum wahrnehmbar. Sogar in der Nähe von Tiefdruckgebieten, wo es viel Wolkenwasser gibt, reicht diese winzige Kraft nicht aus, um die Intensität von Schnee- oder Regen merklich zu beeinflussen. Die Anziehungskraft des Mondes ist also viel zu gering, um unser Wetter zu verändern.

Wenn der Mond keinen Einfluss aufs Wetter hat, warum wird es dann in winterlichen Vollmondnächten ganz besonders kalt?

Kommt hinzu, dass der Vollmond an Wetterwechseln schon deshalb nicht beteiligt sein kann, weil sich das Wetter dann an jedem Ort der Erde gleichzeitig ändern müsste. Denn die Mondphasen finden nun mal überall gleichzeitig statt. Auch die immer wiederkehrende Behauptung, Vollmondnächte würden besonders kalt, trifft so nicht zu. Tatsächlich ist es umgekehrt: In klaren Nächten wird es immer kälter als bei trübem Himmel. So kommt es, dass der Vollmond in eisigen Winternächten besonders gut zu sehen ist, weil dann keine Wolken sein Licht verhüllen.

Deshalb gilt allen Volksweisheiten und Bauernregeln zum Trotz: Nein, der Mond löst keine Wetterumschwünge aus. Vielmehr bleibt sein Einfluss auf unser Wetter weit hinter demjenigen zurück, den unser leuchtender Nachtwächter mitunter auf die menschliche Fantasie auszuüben vermag.

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